Rundweg NABU Kirche Neu- Temmen
Länge: 6,5 km
Start: Parkplatz Ortseingang Temmen
Markierung: LOGO NABU Kirche
Länge: 6,5 km
Start: Parkplatz Ortseingang Temmen
Markierung: LOGO NABU Kirche
Temmen liegt eingebettet in einer abwechslungsreichen Landschaft, die sich durch kleinflächigen Wechsel zwischen der Angermünder Endmoränen Staffel, Grundmoränen, Gewässer und Moore auszeichnen.
Vom Parkplatz gehen wir rechts in Richtung Ortsmitte. Nach ca. 50 m erreichen wir auf der linken Straßenseite das Gut Temmen. Erstmalig wurde Ort 1375 erwähnt, gehört die Gutsanlage zu den wenigen Sehenswürdigkeiten. Das Gut ist weitgehend im Zustand der letzten Rekonstruktion aus den 20iger Jahren.
Als das Gut 1995 von der Treuhand zum Verkauf ausgeschrieben wurde, erwarb der Berliner Rolf Friedrich Henke den Betrieb. Inzwischen bewirtschaftet das Gut über 3300 ha und ist somit eines der größten Ökobetriebe im Land Brandenburg.
Mit Unterstützung des Gutes konnten sich hier 2 kleine Betriebe, die Wildsamen Insel und ein Pferdehof, ansiedeln. Ein Besuch des Hofladens am Eingang ist empfehlenswert.
Mehr Informationen finden Sie hier: https://gut-temmen.de/
Die Wildsamen-Insel Uta Kietsch hier in Temmen spezialisiert sich seit 2007 auf die Vermehrung gebietsheimischer Wildblumen und -gräser. Das Sortiment umfasst über 150 Arten und Sorten, darunter Kulturen auf ca. 1 ha sowie Sammlungen aus der freien Landschaft.
Qualität und Transparenz
Das Ausgangssaatgut stammt aus gesicherten, natürlichen Populationen der Uckermark. In enger Zusammenarbeit mit Botanikern und Naturschutzbehörden erfolgt die Sammlung nach strengen Richtlinien. Als zertifiziertes Mitglied im VWW e.V. garantiert die Firma lückenlose Dokumentation und höchste Transparenz – vom Sammelort bis zur Erntemenge. Zudem erfolgt die Produktion nach ökologischen Standards (Ökohöfe Nordost e.V.).
Anbau und Ernte
Die Gärtnerei nutzt vielfältige Bodenbeschaffenheiten und die Nähe zu zwei Seen zur Bewässerung, um den unterschiedlichen Ansprüchen der Arten gerecht zu werden. Die Pflege erfolgt mechanisch und per Hand. Nach der Ernte (meist ab dem zweiten Jahr) wird das Saatgut schonend getrocknet, gedroschen und spezialgereinigt. Um die genetische Vielfalt zu bewahren, wird das Saatgut maximal bis zur 5. Generation kultiviert, bevor neues Ausgangsmaterial gesammelt wird. Neben dem feldmäßigen Anbau werden einige Arten zudem direkt in der Natur nachhaltig beerntet und gelangen ohne Zwischenvermehrung auf dem Feld in den Handel. Das sind Arten, die sich entweder nur schwer auf dem Feld kultivieren lassen, meist Wald-, Wasser- oder Sumpfpflanzen.
Einsatzgebiete und Projekte
Neben Standard-Mischungen liegt der Fokus auf standortspezifischen Sondermischungen für den Landschaftsbau (z. B. Straßenbau, Solarparks, Windkraft), das öffentliche Grün und Privatgärten (Blumenwiesen, Dachbegrünungen oder Schotterrasen). Uta Kietsch realisiert zudem spezielle Naturschutz-Projekte, wie die erfolgreiche Vermehrung der Kuhschelle für den NABU Templin.
Mit derzeit drei Saisonkräften leistet der Betrieb einen wertvollen Beitrag zur Biodiversitäts-Strategie, die dem ungebrochenen Rückgang von Arten, genetischer Vielfalt und Verlust von Lebensräumen begegnen sowie geschädigte Ökosysteme wieder herstellen soll, denn dafür zählt jeder neu begrünte Quadratmeter!
Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.wildsamen-insel.de/
Weiter geht es in Richtung Neu Temmen. Am Dorfende hat man einen grandiosen Blick auf einen Teil der Angermünder Endmoräne mit dem Blocksberg im Hintergrund. Wir folgen der gepflasteren Straße (Linkskurve nach dem Ortsschild!) und erreichen nach 2 km die Kirche von Neu Temmen.
Anwohner, Besucher, und Freunde, denen der Erhalt der Neu-Temmener Kirche am Herzen liegt, haben sich zur Aktionsgruppe NABU Kirche zusammen gefunden. Eingebettet in einem kleinen Lindenwald und geschmückt mit einem schlichten Gutshaus und einer artenreichen Blühwiese, ist die Kirche ein herausragende Beispiel für eine historisch gewachsene, dörfliche Siedlungsstruktur.
Der Ort wurde etwa 1740 von Alexander II von Arnim als Rittervorwerk Schmaler Temmen gegründet. Großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes hatte Carl Michalowski, ehemaliger Direktor der Deutschen Bank, der das Gut Neu -Temmen 1917 erwarb. Auf seiner Initiative wurden umfangreiche Reparaturarbeiten an der Kirche, Gutshaus und Gutshof durchgeführt. Weiterhin erfolgten umfangreiche Entwässerungsarbeiten und die Neuanlage von Wegen. Von der Kirche aus gehen biegen wir nach rechts und gehen wieder in Richtung Temmen.
Nach 500 m Pflasterstraße erreichen wir die Kreuzung Hohenwalde-Temmen und biegen diesmal links ab in Richtung Hohenwalde. Wir erreichen nach etwa 400 m den Mythengarten mit dem schlafenden Riesen. Auf einem landschaftlich reizvollen Weg mit dem Blick auf einen der bekanntesten Seen der Uckermark, den Düstersee, erreichen wir Hohenwalde. Der Weg dorthin wird gesäumt von Alteichen und Schlehen Hecken. Sie bilden einen wichtigen Lebensraum für Wacholderdrossel, Grauammer, Braunkehlchen und Neuntöter. Mit etwas Glück kann man See-, Fisch- oder Seeadler sehen. Auch Kraniche spazieren oftmals über die Wiesen.
Die Gütergeschichte von Neu Temmen ist wohl der Hintergrund für die Sage vom „schlafenden Riesen“. Im Mittelpunkt steht ein riesiger Findling, der am Fuße des Entenberges aus dem Hügel ragt. Auf diesem Gelände sind in alter Zeit Steine zum Häuserbau gespalten worden. Die noch immer in der Umgebung des großen Findlings angehäuften Reste bezeichnen vielleicht den Ferch, den der Teufel zur Hütung der Schafe an dem nahe gelegenen Teich gebaut haben soll. Der einstige Teich ist fast verlandet aber an dem nahe gelegenen Feld- und Waldweg in Richtung Poratz befinden sich noch die Fundamente der Siedlung Alt Hohenwalde, für die man einst die Steine spaltete.
Der Schlafende Riese
In alter Zeit hütete ein Hohenwalder Schäfer seine Herde in Neu Temmen. Am Abend musste er die Tiere immer wieder nach Hause treiben, da sich in den Wiesen, wo sie reichlich Futter hatten, kein Pferch für die sichere Unterbringung zur Nacht befand. Als er wieder einmal darüber schimpfte und seine Rede mit „Teufel noch mal“ abschloss, gesellte sich ein Jäger zu ihm und bot ihm seine Hilfe an. Er fragte, was der Schäfer ausgeben wolle, wenn er um den kleinen Teich unterhalb des Entenberges einen Wall errichten würde, damit die Schafe für die Nacht unterkämen und dazu auch noch Wasser zum Trinken hätten.
Der Schäfer, der in dem jäger den Teufel erkannte, versprach dem Fremden, er könne sich jedes Mal ein Schaf herausgreifen, wenn er mit seiner Herde am Kienberg vorbei käme. Der Teufel dachte an seine Großmutter, die so gerne Lammfleisch aß und nahm das Angebot des Schäfers an. Vor Freude baute er in der nächsten Nacht sogar eine feste Mauer. Dann setzte er sich Füßen des Kienberges an den Kreuzweg, der zum Entenberg führt und wartete, genüsslich an den Lammbraten denkend, auf den Schäfer, denn der sollte die Herde hier vorbei nach Neu Temmen treiben. Indes, der Schäfer dachte nicht daran, hatten die Schafe doch nun ein Nachtquartier am Entenberg und daheim waren sie nicht in Neu Temmen sondern in Hohenwalde. Was sollte er also noch am Kreuzweg unterhalb des Kienberges? dem Teufel wurde das warten zu lang. Er war wütend und holte sich einen Riesen herbei, der ihm seit langer Zeit noch einen Dienst schuldig war. Der mußte sich an den Kreuzweg setzen und versprechen so lange zu warten, bis der Schäfer seine Schafe dort vorbei treiben würde. Dann sollte er gleich die gesamte Herde samt Schäfer einfangen und in die Hölle schaffen. Der Riese fügte sich mürrisch in diese Aufgabe. Er saß und saß, er wartete und wartete.. Leute, die den Weg am Kienberg nehmen mussten, hörten schon vom weitem sein Jammern und Klagen und mieden aus Angst die Gegend. derweil trockneten Wind und Sonne den Riesen aus. Er schrumpfte zusammen, wurde härter und härter und zuletzt zu einem großen Stein. In Vollmondnächten soll er ab und zu ein Stöhnen zu hören sein. Dann biegen sich hoch über die Baumriesen und bewachen sein vielhundertjährigen Schlaf.
Quelle: Brigitte Martin (2023): Blütenblätter im Kaffee
Das Vorwerk Hohenwalde entstand ab 1743 im Zuge der Teilung des Gutes Temmen.
Nachdem wir den Feuerwehrteich passiert haben biegen wir rechts an der Kreuzung ab und überqueren die Gutsanlage- sie ist trotz Renovierungsbedarfs absolut sehenswert. Am Ende des Ortes führt uns ein Sandweg weiter. Links vom Weg, hinter Erlen- und Eschenwald versteckt, befindet sich der Große Krienertsee. Einen schönen Ausblick auf dem See hat man am Ostende des Sees, wo sich eine idyllische Badestelle befindet. Einen eindrucksvollen Einblick in die Geologie des Gebietes bietet der Aufschluss direkt am Weg. Der Steilhang am Fuße des 93 m hohen Weizberges, bietet vielen Insekten und den Eisvogel Lebensraum.
Schutzstatus
Schon in den 70-iger Jahren gab es Aktivitäten der Fachgruppe Ornithologie, die Krienertseen als NSG auszuweisen. Grund hierfür war der einzige Kranichschlafpatz im Altkreis Templin am Kleinen Krienertsee. Durch den damaligen Rat der Kreises Templin wurden Anfang der 80-ger Jahre die Moorflächen zwischen Großen- und Kleinen Krienertsee einstweilig als NSG gesichert. Durch den Rat des Bezirkes Neubrandenburg wurde dann 1982 der Kleine Krienertsee als NSG gesichert. Im Zuge der Ausweisung des Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin im Jahre 1990 wurde auch das NSG Krienertsee mit einem Flächenumfang von 350 ha ausgewiesen. Bestandteil ist ein 129 ha großes Totalreservat (siehe Abbildung 1), wo jegliche wirtschaftliche Nutzung untersagt ist. Darüber hinaus wurde das Gebiet in das Vogelschutzgebiet Schorfheide-Chorin einbezogen. Im Jahre 2004 wurde das NSG als Flora Fauna Habitat (FFH) Schutzgebiet an die EU gemeldet.
Abbildung 1: Karte NSG Krinertseen
Naturausstattung
Wertgebende Biotoptypen im NSG sind die oligo-mesotrophe kalkhaltige Gewässer (FFH- Lebensraumtyp 3140) mit einem Flächenanteil von 122 ha und die Birken- Moorwälder mit einem Flächenanteil von 16,7 ha.
Die Gewässer zeichnen sich durch Nährstoffarmut, geringe Primärproduktion und der damit verbundenen hohen Sichttiefen von 2-4 m aus. Sie beherbergen eine Reihe von seltenen Pflanzenarten. Stellvertretend hier zu nennen sind die seltenen Raue, Vielstachlige und Geweih Armleuchteralge, das vom Aussterben bedrohte Faden Laichkraut und der seltene Mittlere Wasserschlauch. Am Ufersaum bildet die Schneide, eine Art der basenreichen Moore, stellenweise dichte Bestände. An Fischarten sind die Vorkommen vom Bitterling und Karausche erwähnenswert. Die beiden Seen bieten Rohrdommel, Schellente, Gänsesäger und Eisvogel Lebensraum. Weiterhin ist das Vorkommen vom Biber und Fischotter noch erwähnenswert.
Foto 1: Armleuchteralge
Zwischen Großen und Kleinen Krienertsee konnte sich ein nährstoffarmes Birkenmoor entwickeln. Typische Pflanzenarten sind neben Torfmoosen Scheiden Wollgras, Fieberklee und die Gewöhnliche Moosbeere. In den angrenzenden naturnahen Buchenwald konnte das seltene Hexenkraut festgestellt werden. Der Moorwald ist Lebensraum vom Waldwasserläufer, Laub-, Gras- und Moorfrosch, sowie vom Kamm- und Teichmolch.
Die naturnahen Wälder und die vom Klimawandel stark geschädigten Kiefern- und Fichten Forsten bieten mindesten 13 verschiedenen Fledermausarten Lebensraum. Hervorzuheben ist der Nachweis einer Wochenstube der äußerst seltenen Bartfledermaus.
Nutzung- Maßnahmen
Für die Gewässergüte der beiden nährstoffarmen Krienertseen ist eine extensive Nutzung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen extrem wichtig, wird dadurch doch ein Eintrag von Nährstoffen in die Seen minimiert. Die Flächen werden vom Ökobetrieb Gut Temmen als Weide bewirtschaftet.
Extrem wichtig für die Erhaltung der Wasserqualität und der Moorwälder ist eine hohe Wasserführung. Das Abflussbauwerk bei Hohenwalde wurde bereits vor einigen Jahren umgestaltet, welches einen dauerhaften, hohen Wasserstand ermöglicht. Zum Schutz der Moorwälder wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes ein Damm zwischen Kleinen und Großen Krienertsee geschüttet, der einen naturnahen Wasserstand ermöglicht.
Karte : Flächennutzung NSG Krienertseen
Unsere Wanderung endet am Parkplatz in Temmen.