Neu Temmen – Kirche, Wege & Geschichte

 

Zwischen Seen, Wiesen und Wald reicht die Geschichte Neu Temmens weit zurück: Megalithgräber und bronzezeitliche Funde (um 1600 vor Christus) belegen frühe Besiedlung. Am Krienertsee lag die slawische Siedlung Krinkow, die bis ins 15. Jahrhundert bestand.

Der Ortsname Temmen erschien erstmals 1375 im Landbuch als „Tempne“ („Vertiefung“). Das Land war damals überwiegend Bruch und Wald. 1740 entstand hier das Rittervorwerk „Schmaler Temmen“, später Neu Temmen.

Die Kirche prägt den Ort seit 1749: Alexander von Arnim ließ das Fachwerk-Gotteshaus errichten, bezeugt von der Wetterfahne „A.v.A 1749“ und einer gusseisernen Glocke mit seinem Namen. Der erste Eintrag des Kirchhofs belegt Tragisches: Dorothea Elisabeth Falckenstein verstarb 1748 im Kindbett und wurde mit ihrem ungeborenen Kind bestattet. Der kleine Friedhof war von Wacholderhecke, Mauer und Graben gefasst – ein stiller Ort, der bis heute anrührt.

Feuer & Neubeginn:1766 zerstörte ein Brand Hof und Herrenhaus. Curt Friedrich von Arnim baute neu und gründete das benachbarte Vorwerk „Willmine“- benannt nach seiner Frau. In der Folgezeit wechselten Vorwerk und Gutshaus oft die Besitzer.

Spuren der Moderne:1917 erwarb der Berliner Banker Carl Michalowsky das Gut. Er restaurierte die Kirche, brachte Licht und elektrische Heizung, ließ 1924 die Türen erneuern und 1926 den Turm richten. Dabei kam die Turmkugel mit drei alten Einschusslöchern unbekannten Ursprungs zum Vorschein. Michalowsky legte Fußwege über Wiesen und Waldränder an und säumte die alte Kopfsteinpflasterstraße mit Nussbäumen. Viele dieser Wege nutzen Wandernde bis heute: Vom Kirchhof führt der Promenadensteig durch den abwechslungsreichen Waldgürtel des Eichelsbergs, vorbei am Hasentanger zur Teufelsposse.

Ein besonderer Ort der Ruhe: Nach dem Tod seiner Frau Ellen (1928) entstand hinter der Kirche das eindrucksvolle Erbbegräbnis mit einer lebensgroßen Trauernden des Bildhauers Wilhelm Gerstel und der Gestaltungsidee des Architekten Franz Seeck. Durch ein schmiedeeisernes Tor gelangt man zum Plateau mit schlichter Einfassung, wuchtigem Steinkreuz und Bank zum Verweilen. Hier ruhen Ellen und Carl Michalowsky sowie Familienangehörige.

Tipp: Starten Sie Ihre Runde an der Kirche – Geschichte, Natur und stille Plätze liegen hier nur wenige Schritte auseinander.

Restaurierung

 

Geschichte der baulichen Rekonstruktion

Erbaut wurde die Kirche in schlichter Weise: Holzbalken, Feldsteine, Ziegel, Kalk und Lehm, Baustoffe, die es nur direkt vor Ort gab, fügten örtliche Handwerker zu einem einfachen Fachwerkbau zusammen. Dabei wurden zuerst das Kirchenschiff und etwas später der Turm aufgestellt.

Nach über 270 Jahren, in den 2010er-Jahren, war das Kirchlein stark in die Jahre gekommen: Der Turm stand schief, beim Kirchenschiff bröckelte der Putz und es bestand Einsturzgefahr. Die Kirchengemeinde und die örtlichen Akteure waren sich einig, die Kirche nicht dem Verfall preiszugegeben. Es wurden Ideen geschmiedet und Förderanträge gestellt.

2018 startete der erste Bauabschnitt: Fast das gesamte Fachwerk musste aufgrund der großen Schäden abgetragen werden. So standen während der Bauarbeiten zeitweise kein Turm und auch das Kirchenschiff nur in Rudimenten da.

Bei der ökologischen Sanierung galt der Anspruch, die original verbauten Baustoffe wieder zu verwenden. Die alten Ziegel wurden gesäubert und erneut vermauert, die Wände mit Kalk und Lehm verputzt und das Dach mit historischen Biberschwanzziegel gedeckt. Ebenso wurde Wert auf die Herstellung von Nistplätzen und Unterschlüpfen für Vögel und Fledermäuse gelegt. Für die erweiterte Nutzung als NABU-Kirche wurden eine kleine Turmstube, eine Teeküche und ein WC neu eingebaut.

Viele Fachleuchte begleiteten das Vorhaben: Der Archäologe stellte fest, dass an gleicher Stelle bereits ein Vorgängerbau stand. Die Restauratorin legte den Altar frei und fand heraus, dass der jetzige, einfarbige Fassadenanstrich die Originalfassung der Erbauungszeit war.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt aus ILE- und GAK-Mitteln und durch Zuwendungen der Volksbankstiftung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Weiterhin flossen beträchtliche kirchliche Eigenmittel sowie Spenden und Eigenleistungen von örtlichen Akteuren und des NABU-Regionalverbands Templin.